Welche Geschichte erzählen Ihre Schuhe?

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Im Jahre 1961 durfte ich, damals 16 Jahre alt, die Tanzstunde besuchen. Zu dem dazugehörenden Abschlußball, suchte ich geeignete, schöne Schuhe. Ich wohnte in Esslingen am Neckar und es war zu der Zeit schon "in", dass man ab und zu in Stuttgart, der nächsten größeren Stadt, einkaufen ging. Dazu kam noch, dass ich einen sehr schmalen Fuss habe und in Esslingen keinen Schuh fand der mir passte und vor allem, gefiel. Also bummelte ich eines schönen Tages mit zwei Freundinnen, durch die Stuttgarter Innenstadt. Das exklusivste Schuhgeschäft in Stuttgart war zur damaligen Zeit "Schöpp Atelier". Dort im Schaufenster standen "meine" Schuhe. Für mich waren diese, die schönsten Schuhe der Welt. Der Inhalt meines Geldbeutels war dem Preis der Schuhe nicht gewachsen und so fuhr ich ohne Schuhe nach Esslingen zurück. Auf der Heimfahrt hielten wir natürlich große Konferenz und überlegten wie ich zu diesen wunderschönen Schuhen kommen könnte. In Esslingen angekommen, ging ich mit meinen Freundinnen, die mich unterstützen sollten, zur Esslinger Zeitung; dort arbeitete meine Mutter als Redaktionssekretärin. Dort hoffte ich, die Zustimmung zum Kauf und die finanzielle Unterstützung meiner Mutter zu bekommen. Nur nach langem Bitten und Betteln hatte ich mein Ziel erreicht. Allerdings mußte ich mich verpflichten, mindestens die Hälte des Preises selbst zu tragen. In den darauf folgenden Herbstferien, erarbeitete ich mir das Geld in einer Fabrik, welche Gewürzgürkchen verarbeitete. Es war keine leichte Arbeit, aber für die Schuhe machte ich fast alles. Die Schuhe sind mir sehr ans Herz gewachsen und noch immer eine schöne Erinnerung an diese Zeit. Bis auf einem Faschingsball in Mainz, habe ich die Schuhe nach dem Abschlußball nie wieder getragen. Zum Tragen waren sie mir einfach zu schön.
Verfasser: Christl K.
23.08.2010 09:14
Bewertung: 2.9/5 (14 Stimmen)
Gestiefelt

Elfie ist aufgeregt. Neue Schuhe für sie. Jetzt drücken die alten besonders.
Sie steht wie so oft vor dem Schaufenster.
„Salamander“, sagt die Mutter, „die halten am längsten.“
Elfie wünscht sich so sehr Halbschuhe. Erst waren es die roten. Es bleibt ein Traum. Nun liebt sie die schwarzen Lackschuhe. Die wird sie nie bekommen. So schöne Schuhe sind nur für sonntags. Sonntagsschuhe gibt es nicht.
Elfie und die Mutter gehen die Treppe hinunter zum Laden. Die Verkäuferin begrüßt die Mutter höflich, lächelt Elfie zu.
„Da werden wir Dir ein paar richtig schöne Schuhe aussuchen.“
Elfie tritt von einem Bein auf das andere.
„Mutti, darf ich mir die Schuhe aussuchen?“
„Fräulein, bringen Sie bitte Schnürstiefel für die Kleine. Kinderfüße brauchen festes Schuhwerk.“
Die Verkäuferin schaut Elfie an. Sie steht mit gesenktem Kopf da.
„Wie Sie wünschen.“
Sie schiebt die Leiter in die letzte Ecke, steigt hinauf, holt einen Karton herunter. Nimmt den Deckel ab, schlägt das Seidenpapier zurück.
„Suchen Sie etwas in dieser Art? Die Größe müsste passen.“
Elfie denkt an die schönen Lackschuhe. Möchte davonlaufen. Schnieft, wischt sich die Augen. Die Verkäuferin gibt ihr ein Taschentuch. Lächelt.
„Elfie, komm her, probier die Schuhe an.“
Elfie setzt sich auf den Hocker, zieht langsam den linken Schuh aus. Diese Stiefel, dunkelbraun, hoch mit langen, dunklen Schnürbändern. Die Verkäuferin lockert die Bänder, gibt ihr einen Schuhlöffel zum Hineinschlüpfen. Elfie schiebt den Fuß Zentimeter für Zentimeter in den Stiefel.
„Laß sehen, ob der Schuh groß genug ist“, sagt die Verkäuferin. Drückt mit dem Daumen über den Zeh auf den Schuh.
„Der paßt. Hat noch Luft. Da kannst Du hineinwachsen.“
Die Mutter bückt sich, will sich selbst überzeugen. Nickt.
„Zieh den rechten an“, befiehlt sie.
„Elfie. Mach doch weiter.“
Der zweite Schuh ist geschnürt. Langsam macht sie die ersten Schritte.
„Die Schuhe drücken hier oben.“
„Das wird sich geben.“
Die Mutter blickt die Verkäuferin an.
„Was meinen Sie?“
Die Verkäuferin zögert: „Ja. Sicher. Wenn sie eingelaufen sind.“
Das Ausziehen der Stiefel geht blitzschnell. Die Verkäuferin packt die Schuhe in den Karton, legt das Seidenpapier wieder dazwischen. Die Mutter zahlt. 36 Mark. Lackschuhe kosten nur 25 Mark.
Elfie folgt der Mutter mit gesengtem Kopf. Dreht sich um. Die wird sie nicht anziehen. Welche dann?
Verfasser: Sieglinde N.
19.08.2010 09:31
Bewertung: 2.6/5 (14 Stimmen)
Meine Freundin hat eine Vorliebe für Stöckelschuhe da sie nicht so sonderlich groß ist,findet sie es prima damit etwas dazumogeln zu können. Irgendwann kam sie dann mal mit so ein paar hochhackigen,bestimmt 12cm hohen Pantoletten an. Ich fragte mich immer wie sie damit überhaupt laufen kann aber sie fand sie ganz toll obwohl sie schon sichtlich Mühe hatte damit zu laufen da sie darin ja kaum Halt hatte aber das hätte sie mir gegenüber natürlich nie zugegeben. Einmal sind wir zu einer Kirmes gegangen und sie meinte genau die wären dafür die beste Wahl. Ich fands ja eigentlich ganz witzig wie damit über den Jahrmarkt tippelte,immer darauf bedacht nicht umzuknicken während ihre irre hohen Absätze unter ihren Fersen hin und herschwankten. Wir haben so ziemlich jedes Fahrgeschäft ausprobiert bis wir zu so einem Ding kamen wo einem vom hinsehen schon übel wird und wo man nach kurzer Zeit nicht mehr weiß wo oben und unten ist. Das mußte es nun natürlich nun auch noch sein. Also ab ging die wilde Fahrt aber nach ein paar Überschlägen hörte ich auf einmal neben mir "Sch...,mein Schuh ist weg,den krieg ich doch nie wieder." Da ist ihr bei all dem rumgeschleudere einer ihrer Pantoletten in hohem Bogen vom Fuß geflogen und in die Menge gesegelt,dabei stand am Eingang noch das man lose Gegenstände vor der Fahrt an der Kasse abgeben soll. Als wir dann ausstiegen stand dort schon ein Herr und meinte als er meine Freundin sah "Der gehört ja dann wohl ihnen,ich habe mich fast zu tode erschrocken als er vor mir einschlug,das hätte aber auch ins Auge gehen können." Mit noch weichen Knien von der Fahrt schlüpfte sie in ihren verlorengeglaubten Schuh,hakte sich bei mir ein und mit noch wackligen,unsicheren Schritten ging es erstmal zur Losbude. Sie trägt diese Pantoletten immer noch gern aber nicht mehr auf dem Jahrmarkt.
Verfasser: T.S.
01.08.2010 19:50
Bewertung: 3.2/5 (39 Stimmen)
Zu dieser Geschichte gibt es zwar keinen bestimmten Schuh, den man fotografieren könnte, denn sie geht zurück auf meine Kindheit vor über 60 Jahren, als nach dem Krieg Schuhe totale Mangelware waren und auch wir Kinder sie „bis zum geht-nicht-mehr“ auftragen mussten, aber solche Schuhe waren es, die in meinem abenteuerlichen Dasein schließlich im fernen Neu Guinea ein außergewöhnliches Liebeserlebnis auslösten, das mich mein ganzes weiteres Leben begleitet hat.
Jene immer enger werdenden Nachkriegs-Schuhe, wenn sie etwas länger hielten, drückten nämlich die Zehen der schnell wachsenden Kinderfüße so sehr zusammen, dass diese nach einigen Jahren ihre normale Form verloren, was schließlich in meinem Fall zu folgendem völlig unerwarteten Ergebnis führte:

Als ich im Anschluss an mein Sprachstudium nach Amerika ging und auf Hawaii schnell viel Geld verdient hatte, wollte ich meinen Kindheitstraum von einer Reise um die Welt in die Tat umsetzen und kam dabei im Jahre 1969 von Australien aus auch nach Neu Guinea, wo ich in dem seinerzeit noch sehr schönen Städtchen Madang ein Ehepaar kennen lernte, das mir ein interessantes Angebot unterbreitete: da sie gerade die Scheidung eingereicht hatten und die britische Ehefrau für zwei Monate zurück in ihre Heimat gehen wollte, bat sie mich, in ihrem total idyllisch an einer Bucht gelegenen Häuschen ihre Familie mit drei Kindern und diversen Haustieren zu betreuen und mich um das einheimische Hauspersonal, d.h. ein Gärtner, ein Koch und eine Nanny, zu kümmern. Letzteres gab mir so viel Freizeit, dass mich der australische Ehemann, ein schmucker Flugkapitän der Trans Australien Airlines, sogleich als Flugbegleiterin einsetzte und auf seine zahlreichen faszinierenden Hochland- und Inselflüge mitnahm.
Es dauerte gar nicht lange, da war ich bis über beide Ohren in den Piloten verliebt, als die Nachricht aus England hereinplatzte, das sich die noch-Ehefrau nach ihrer Rückkehr die Scheidung noch einmal überlegen wollte, was für mich das Ende der tropischen Romanze bedeutete.

Und damit komme ich auf die Nachkriegsschuhe bzw. meine verbogenen Zehen zurück. Als mir Donald nämlich zum Abschied versicherte, was für eine wunderbare Haushälterin, Flugbegleiterin und kurzfristige Lebenspartnerin ich gewesen sei und dass er nur Positives an mir
finden könne, fügte er unvermittelt hinzu: „mit einer Ausnahme“........
„Du lieber Himmel“, dachte ich erschrocken und fiel aus allen Wolken. „Was kann es denn so Schlimmes an mir geben?“
„Ja“, sagte er dann noch sehr ernst und doch auch ziemlich verschmitzt. „Deine Zehen“!
„Meine Zehen?“..............
„Ja, die sind wirklich sehr hässlich.“
„Aber da kann ich doch gar nichts dafür! Da sind doch die Nachkriegsschuhe dran Schuld! Und warum sagst Du mir denn so etwas Liebloses ausgerechnet beim Abschiednehmen?“
„Damit Du mich nie mehr vergisst und fortan jeden Tag Deines Lebens an mich denkst, denn Deine Zehen siehst Du jeden Tag beim Anziehen oder Waschen - und das hat Dir bestimmt noch niemand gesagt. Aus Liebe, wie Du jetzt erkennst. Über die Kontinente hinweg möchte ich wenigstens in der Erinnerung ständig bei Dir bleiben, was auch geschehen mag.“
Genau so ist es gekommen!
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P.S. Wir hatten uns zwar noch einmal in New York wiedergesehen, nachdem Don schließlich doch geschieden war, aber unsere Glut war leider auch erloschen. Geblieben ist die Nostalgie zweier traumhaft schöner Monate im fernen Neu Guinea und die tägliche Erinnerung an meinen schmucken Captain Don.
Wegen der Nachkriegsschuhe!
Verfasser: Gerlinde B.
17.07.2010 07:06
Bewertung: 3.0/5 (36 Stimmen)
Es war das Jahr 1958, als ich in eine Internats-/ Haushaltungsschule in die Südpfalz kam. Im Jahr zuvor hatte unsere Familie Urlaub in Dänemark gemacht - und dort waren mir die später berühmten "Kläpper" aufgefallen, jene mit Flussbett und einem Lederriemen versehenen Holzkläpper.

Ich erstand sie und wollte auch gleich damit laufen. Das ging nicht sogleich. Also übte ich das Gehen heimlich auf dem Dachboden, wo jede Schülerin ein Schuhfach hatte. Dann erst wagte ich mich, natürlich während der Freizeit, unter das Volk.

Und es brach die "Revolution" aus: die Diakonissen, die uns "Mäd" das Kochen, Waschen, Bügeln und Putzen beibrachten, hatten kein Verständnis für "diese modischen Ferz". Von Stürzen, Fußbrechen und Ähnlichem war die Rede.

Ich glaube, die "Obrigkeite"" mussten sich in den kommenden Jahren an das Klappern mit den Kläppern gewöhnen.
Verfasser: Ingeborg J.
15.07.2010 09:35
Bewertung: 2.9/5 (47 Stimmen)
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