Sissi - Schuhgeschichte einer Kaiserin

Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837 - 1898), Sissi genannt, unterwarf sich ungern Modezwängen. Am liebsten trug sie bequeme und zweckdienliche Schuhe. Gemäß dem am Wiener Hof herrschenden spanischen Hofzeremoniell hatte Sissi zu jedem offiziellen Anlass ein neu gefertigtes Paar Schuhe zu tragen. Da zu dieser Zeit Schuhe über einen Leisten gefertigt wurden, d.h. der rechte und linke Schuh waren identisch, mussten neue Schuhe erst eingetragen werden, damit sie passten. Für Sissi, die gerne zu Fuß ging, war dies eine Unannehmlichkeit, der sie sich - zum besonderen Unmut ihrer Schwiegermutter Sophie - des Öfteren erfolgreich widersetzte. Da die getragenen Schuhe der Hierarchie am Hof folgend an die Bediensteten verschenkt wurden, war auch das Hofpersonal verärgert, da es nun leer ausging.
Noch heute gibt es das Schimpfwort „Einläufer" in Österreich, das auf die Sitte bei Hof zurück geht, dass Adelige häufig einen Bediensten besaßen, der ihre Schuhe einlief. Die Besonderheit dieser Person bestand darin, die richtige Schuhgröße zu besitzen.
Clemens August Kardinal Graf von Galen

Clemens August Graf von Galen (1878 - 1946), Bischof von Münster, erhielt von Papst Pius XII. 1946 seine Ernennung zum Kardinal aufgrund seiner kritischen Haltung gegenüber dem nationalsozialistischen Regime, die ihm den Beinamen „Löwe von Münster" eintrug. Zum vollständigen Ornat eines Kardinals gehörten unter anderem rote Lederschuhe. In den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren war Leder - insbesondere in der Farbe Rot - kaum zu beschaffen. Um dem Kardinal die Blöße eines unvollständigen Ornats zu ersparen, stiftete eine Dame aus Ahlen ihre über den Zweiten Weltkrieg hinweg gerettete rote Lederhandtasche. Ein Ahlener Schuster arbeitete aus der kostbaren Tasche das Oberleder für die Kardinalsschuhe. Nun konnte der Kardinal vollständig ausgestattet sein neues Amt antreten. Da der Kardinal Schuhgröße 48 trug, muss die Handtasche entsprechend groß gewesen sein.
In der Ausstellung erzählen weitere Schuhe aus Feuerwehrschlauch, Autoreifen, Zeltplane, Maisstroh oder anderen Materialien von der Schuhnot und dem Erfindungsreichtum der Menschen in der Nachkriegszeit.Salvatore Ferragamo – Schuhdesigner der Träume

Ferragamo beschuhte alle: Königinnen, Fürsten und Hollywood-Größen; z.B. die Herzogin von Windsor, Kaiserin Soraya, Marilyn Monroe, Gregory Peck oder Eva Perón.
Von seiner Kreativität und seinem Erfindungsreichtum zeugen nicht nur seine fantastischen Entwürfe, sondern auch über 350 Patente. Ferragamo erfand neue technische Lösungen wie beispielsweise eine Mittelsohle aus Stahl, um den Spann zu unterstützen, oder 1937 den Keilabsatzes aus Kork. Gerne experimentierte er mit ungewöhnlichen Materialien wie Hanf, Stroh, Wollfäden oder Cellophan.
Meister Ferragamo sagte einmal „Füße sprechen zu mir." Vielleicht liegt darin das Geheimnis seiner Inspiration begründet?Schuhe von der Wiege bis zur Bahre

Die ersten Laufschuhe eines Kindes sind etwas ganz Besonderes. In ihnen macht es die ersten Schritte und erobert seine Welt. Seit dem 19. Jahrhundert ließen Eltern die Schuhe ihrer Kinder mit Kupfer, Silber oder Gold überziehen, um sie als Talisman zu bewahren. Noch heute hängen solche Schuhe manchmal am Autorückspiegel und sollen so den Insassen eine sichere Fahrt gewähren.
Auch in Liebesdingen haben Schuhe eine besondere Bewandtnis. Im 17. und 18. Jahrhundert zeigten Verliebte ihre Zuneigung in dem sie sich mit Pralinen gefüllte Porzellanschuhe schenkten und zahlreiche Hochzeitsbräuche drehen sich um den Schuh: Trinkt der Bräutigam etwa aus dem Brautschuh, steht dies für die Verbundenheit des Paares und die Besiegelung der Ehe. Und so lange man den Brautschuh aufbewahrt, so lange hält die Ehe.
Auf der letzten Reise sollten Schuhe dem Toten eine Erleicherung im Jenseits verschaffen. Bestimmte Schuhe stellte man eigens für das Begräbnis her, zum Beispiel solche mit bestickten oder bemalten Sohlen, die im Leben nicht alltagstauglich gewesen wären.Die Speziellen – Postillionstiefel aus dem 17. / 18. Jahrhundert

Eine Kiste in Fußform mit hohem Schaft – so lautet eine Beschreibung des Postillionstiefels. Trotz ihres unförmigen Aussehens war diese Berufskleidung hervorragend an die Arbeitssituation der Postillione angepasst. Bei der Herstellung dieser Stiefel verwendete der Schuhmacher besonders schweres und grobes Leder. Anschließend erhitzte er den Schaft und bestrich ihn mit einer Mischung aus Wachs und Harz. Dadurch waren die Stiefel steif wie ein Stück Holz und vollständig wasserdicht. Mit dieser Ausstattung konnte der Postillion den Wagen auch vom Sattel aus lenken, und seine Waden waren bestens gegen die Stöße der Deichsel geschützt. Wenn der Postillion auf dem Kutschbock saß, musste er die Knie beugen können, weshalb die Stiefel eine an der Kniekehle ausgeschnittene Stulpe besitzen. Laufen hingegen konnte der Postillion in dieser starren Fußbekleidung nur schlecht. Aus diesem Grund behielt der Kutscher seine Straßenschuhe darin an, wodurch die kolossale Größe der Postillionstiefel zustande kommt.
Die Postillionstiefel erhielten auch die Bezeichnung „Siebenmeilenstiefel“. Die sieben Meilen stehen für die Entfernung zwischen zwei Poststationen. In zahlreichen Märchen werden den Siebenmeilenstiefeln magische Kräfte zugeschrieben. Im Märchen vom kleinen Däumling, heißt es, dass man darin mit einem einzigen Schritt sieben Meilen zurücklegen kann.
Heute trägt ein modernes Fun-Sportgerät die Bezeichnung Siebenmeilenstiefel: Die mit Federn versehenen gebogenen Schienen schnallt man sich unter die Füße und kann damit Sprünge bis zu vier Metern Länge und zwei Metern Höhe vollbringen.
Eine Frage des Stollens – Fußballschuhe

Seit seinen Pioniertagen hat sich die Form und Machart des Fußballschuhs stark verändert. Von England kommend breitete sich der Fußballsport um 1900 aus, wobei die ersten Kicker die Spielfelder noch in ganz gewöhnlichen Schnürstiefeln betraten. Wegen der damals üblichen schweren Bälle verstärkte man diese Stiefel mit aufgenähten Lederstücken, die Knöchel, Rist und Spitze schützen sollten. Bald setzten sich Stiefel durch, deren Sohlen mit Metallbeschlägen oder Lederstollen versehen waren. Diese Errungenschaft machte die Stiefel zwar rutschfester, führte aber beim Kampf um den Ball oft zu schweren Verletzungen. Ein großer Entwicklungsschritt war die Erfindung der auswechselbaren Schraubstollen.
Diese Erfindung wurde lange Zeit Adolf Dassler, dem Gründer der Firma Adidas, zugeschrieben. Ausgerüstet mit Schraubstollenschuhen der Marke Adidas reiste die deutsche Nationalmannschaft 1954 zum WM-Turnier in die Schweiz. In einem grandiosen Finale gelang das „Wunder von Bern” - Deutschland wurde zum ersten Mal in der Geschichte Fußball-Weltmeister. Doch bereits fünf Jahre früher, im Jahr 1949, hatte der Blumenthaler Schuhmachermeister Alexander Salot ein Patent auf „Fußballstiefel mit auswechselbaren Gleitstollen" angemeldet. Mit diesen Fußballschuhen errang der Blumenthaler SV dreimal in Folge den Bremer Meistertitel.
Heute sind nicht nur die Stollen variabel. Der 2004 entwickelte „F50” besteht aus drei auswechselbaren Modulen – Schaft, Chassis und Stollen – die individuell verwendet und je nach Witterungsbedingungen ausgetauscht werden können.
Doc Martens – Ein Arbeiterschuh macht Karriere

Die „Doc Martens" mit ihrer charakteristischen gelben Steppnaht wurden zum Kennzeichen der englischen Skinheads und später zum Symbol der Punkbewegung.
1986 zeigte die Modezeitschrift Vogue „Girlies” mit roten „Docs” zu Miniröcken - ein deutliches Zeichen dafür, dass diese Schuhe ihren Protestcharakter zu dieser Zeit längst verloren hatten.Gesund, aber nicht elegant – Die Zehenkammerschuhe von Max Mannesmann

1907 meldete Max Mannesmann beim Kaiserlichen Patentamt eine neue Erfindung an: Schuhwerk mit Zehenkammern. Ein Verkaufsschlager wurde dieser Schuhtyp, der - ähnlich wie bei einem Handschuh – ein eigenes Fach für jeden Zeh besaß, allerdings nicht. Ganz anders verhielt es sich mit einer anderen Erfindung von Max Mannesmann: Gemeinsam mit seinem Bruder entwickelte er das Mannesmann-Verfahren zur Herstellung von nahtlosen Stahlrohren. Diese Erfindung hatte die Gründung der erfolgreichen Mannesmannröhren-Werke zur Folge.
Max Mannesmann war begeistert von der Reformmode zur Jahrhundertwende, die einengenden Korsetts und hohen, engen Schnürstiefeletten den Kampf ansagte. Mannesmann war von den Vorteilen seines neuen Gesundheitsschuhs restlos überzeugt und verschenkte großzügig Probeexemplare, für die Damen sogar in einer Ausführung in Goldkäferleder. Die Empfängerinnen sandten ihm sehr höfliche Dankesschreiben, lehnten es aber ab, mit Zehenkammerschuhen und den entsprechenden Strümpfen über die Düsseldorfer Königsallee Reklame zu laufen.
Max Mannesmann selber trug seine Zehenkammerschuhe überall, selbst in bester Gesellschaft. Aber, er blieb der einzige. Damals konnte die Welt mit der neuen Erfindung noch nichts anfangen, heute jedoch gibt es die Zehenschuhe wieder auf dem Markt. Als Sportschuhe zum Laufen oder Klettern sind sie in den letzten Jahren vermehrt zu sehen gewesen.
