Welche Geschichte erzählen Ihre Schuhe?
Berichten Ihre Schuhe von lustigen oder spannenden Erlebnissen, von traurigen oder romantischen Momenten? Spielten sie eine tragende Rolle in einschneidenden Lebenssituationen? Und existieren diese Schuhe noch als Erinnerungsstücke obwohl sie nicht mehr passen oder längst nicht mehr getragen werden?
Dann ist hier die Gelegenheit diese Schuhgeschichte mit anderen zu teilen!
Einfach Formular ausfüllen, Text einstellen und Foto hochladen! Teilnehmen lohnt sich, denn diese Geschichten können gevotet werden. Die zehn schönsten Gesichten werden dann mit den Schuhen selbst in der Sonderausstellung „schuhtick" vom 6. Dezember 2008 bis zum 5. Juli 2009 im LWL-Museum für Archäologie ausgestellt.
Viel Spaß beim Teilnehmen, Lesen und Voten!Bewerten Sie die Schuhgeschichten
Schuhe weisen mir den rechten Gang,
Schlendern, schleichen, wie ich's auch anfang,
Schmeicheln meinen Füßen auch schon lang;
Schlechte provoziern ´nen Klaggesang.
Unvorstellbar lange kann ich gehn,
Und die Schuhe machen´s meistens schön,
Unverrückbar machen sie das Stehn -
Ungeduld in Schuhwahl hat´s Nachsehn.
Hier und heute diese Ausstellung
Half mir stundenlang zu neuem Schwung;
Hört ich märchenhafte Schuh-Erzählung,
Heilte Vorurteil und Eingebung.
Eifer zu Ideen wurd erzeugt:
Erst allmählich sah ich mich geneigt,
Einen Text zu schreiben wie gezeigt: -
Er sich einem Autor-Vorbild beugt.
Tüchtig und bequem soll Schuhzeug sein,
Training joggend soll die Füße freun.
Tastend steigt man morgens in sie rein,
Traut beim Kauf auch mal dem Augenschein.
Immer waren Menschen schon beschuht:
Im Museum zeigt sich´s klar und gut,
Indem Schutz man braucht vor Kält und Glut -
Irre Kreation bezeugt Designer-Mut.
Chic und anziehend sind Schuh verziert -
Chance zur Mode, zum Design verführt,
Charme so bis zur Schuhsohle man spürt -
Check für Schuhgesundheit gut sein würd.
Könnt auf Schuhen Garantien es geben,
Kinder würden, Alte drob aufleben:
Keiner würd mehr viele Paar anstreben,
Käm mit einem Paar so weit wie - eben!
Schlendern, schleichen, wie ich's auch anfang,
Schmeicheln meinen Füßen auch schon lang;
Schlechte provoziern ´nen Klaggesang.
Unvorstellbar lange kann ich gehn,
Und die Schuhe machen´s meistens schön,
Unverrückbar machen sie das Stehn -
Ungeduld in Schuhwahl hat´s Nachsehn.
Hier und heute diese Ausstellung
Half mir stundenlang zu neuem Schwung;
Hört ich märchenhafte Schuh-Erzählung,
Heilte Vorurteil und Eingebung.
Eifer zu Ideen wurd erzeugt:
Erst allmählich sah ich mich geneigt,
Einen Text zu schreiben wie gezeigt: -
Er sich einem Autor-Vorbild beugt.
Tüchtig und bequem soll Schuhzeug sein,
Training joggend soll die Füße freun.
Tastend steigt man morgens in sie rein,
Traut beim Kauf auch mal dem Augenschein.
Immer waren Menschen schon beschuht:
Im Museum zeigt sich´s klar und gut,
Indem Schutz man braucht vor Kält und Glut -
Irre Kreation bezeugt Designer-Mut.
Chic und anziehend sind Schuh verziert -
Chance zur Mode, zum Design verführt,
Charme so bis zur Schuhsohle man spürt -
Check für Schuhgesundheit gut sein würd.
Könnt auf Schuhen Garantien es geben,
Kinder würden, Alte drob aufleben:
Keiner würd mehr viele Paar anstreben,
Käm mit einem Paar so weit wie - eben!
Verfasser: Eberhard Ockel
04.01.2010 13:59
Ich habe deinen Schuh gesehen.
Er lag unter dem Haufen von Schuhen im Stammlager.
Er hat dich bis hierher getragen;
zuvor bist du mit ihm gesprungen,
wie es Kinder tun,
wenn sie fröhlich sind.
Ich habe deinen Schuh gesehen,
mit dem du dein kurzes Leben
gegangen bist.
Wir hätten uns treffen können,
ein Stück des Lebens gemeinsam gehen können.
Verstecken und Fangen spielen,
wie es Kinder tun,
und glücklich lachen,
aus Freude, dass man sich gefunden hat.
Betrogen wurdest du,
und Verstecken und Fangen
wurden zur Angst
in deinem jungen Leben.
Ich habe deinen Schuh gesehen,
der dich hierher getragen hat
zu deinem gewaltsamen Ende.
Mir bleibt die Erinnerung,
unbekannt,
doch nahe,
dein Schuh unter Tausenden von Schuhen,
als der eine unter Tausenden ihrer Träger,
wie ich dich erkennen
und begreifen kann.
Die Gelegenheit,
dir zu begegnen,
ist genommen.
Ich habe deinen Schuh gesehen,
den tanzenden,
springenden,
müde gehenden
und den schlürfenden.
Der gemeinsame Zeitweg
Wurde abgeschnitten.
Schuhe Anderer gehen heute neben mir
ein Stück Lebens-Zeit-Weg.
Die Gedanken an dich sagen mir,
dass meine Ohren die Schritte Anderer
neben mir hören,
dass meine Augen den Menschen
auf dem gemeinsamen
Lebens-Zeit-Weg wahrnehmen,
und dass mein Herz
ihn sehend erkennt.
Er wartet auf ein Stück
gemeinsamen Lebens-Zeit-Weg,
denn
ich habe deinen Schuh gesehen.
Er lag unter dem Haufen von Schuhen im Stammlager.
Er hat dich bis hierher getragen;
zuvor bist du mit ihm gesprungen,
wie es Kinder tun,
wenn sie fröhlich sind.
Ich habe deinen Schuh gesehen,
mit dem du dein kurzes Leben
gegangen bist.
Wir hätten uns treffen können,
ein Stück des Lebens gemeinsam gehen können.
Verstecken und Fangen spielen,
wie es Kinder tun,
und glücklich lachen,
aus Freude, dass man sich gefunden hat.
Betrogen wurdest du,
und Verstecken und Fangen
wurden zur Angst
in deinem jungen Leben.
Ich habe deinen Schuh gesehen,
der dich hierher getragen hat
zu deinem gewaltsamen Ende.
Mir bleibt die Erinnerung,
unbekannt,
doch nahe,
dein Schuh unter Tausenden von Schuhen,
als der eine unter Tausenden ihrer Träger,
wie ich dich erkennen
und begreifen kann.
Die Gelegenheit,
dir zu begegnen,
ist genommen.
Ich habe deinen Schuh gesehen,
den tanzenden,
springenden,
müde gehenden
und den schlürfenden.
Der gemeinsame Zeitweg
Wurde abgeschnitten.
Schuhe Anderer gehen heute neben mir
ein Stück Lebens-Zeit-Weg.
Die Gedanken an dich sagen mir,
dass meine Ohren die Schritte Anderer
neben mir hören,
dass meine Augen den Menschen
auf dem gemeinsamen
Lebens-Zeit-Weg wahrnehmen,
und dass mein Herz
ihn sehend erkennt.
Er wartet auf ein Stück
gemeinsamen Lebens-Zeit-Weg,
denn
ich habe deinen Schuh gesehen.
Verfasser: Otto Tribbensee
22.10.2009 11:45
Die Geschichte eines Schuhs
Völlig ausgepowert kam ich vom Sport nach Hause. Ich war verschwitzt und leicht rot angefärbt von der Laufbahn, auf der Annabella mit mir gerannt war. Annabella Monday, so heißt meine Besitzerin. Sie ist 20 Jahre jung, hat langes, blondes Haar und läuft ziemlich gerne. Ich glaube so was nennt man Läuferin. Kann ich doch nicht wissen, schließlich bin ich ein Schuh. Ich heiße Tum, bin schon etwas älter und Annabella sagt, ich wäre Schuhgröße 39. Schuhe wachsen ja nicht. Sie werden in einer Größe angefertigt Und mich machte man aus Synthetik.
Ich bin weiß und ein wenig grau, meist auch noch einen Hauch rot, wegen der Laufbahn.
Aber ich liebe mein Leben als Schuh, auch wenn das ganze Laufen ziemlich anstrengend ist. Meinen besten Freund den rechten Schuh (ich bin der linke Schuh) Num ist ja auch immer da – ich bin niemals alleine. Der rechte Schuh und ich sehen völlig gleich aus und haben beide total Angst, dass Annabella aus uns heraus wächst oder uns wegwirft.
Annabella stellte uns in den kleinen, blauen Schuhschrank. Sie nickte uns zu, dann schloss sie die Tür. Sie trägt keine Hausschuhe. Das find ich gut, vielleicht würde sie die lieber haben als mich. Ich werde zu schnell eifersüchtig. Jeden Winter hasse ich und bin stinkwütend. Im Winter läuft Annabella nämlich nicht auf der Laufbahn. Da zieht sie lieber Stiefel an und kauft Weihnachtsgeschenke. Hat mir der eine Stiefel mal gesagt. Außerdem hasse ich den Winter, weil er so abscheulich kalt ist. Und überall liegt weißes Schneezeug rum. Igitt!
Komisch ist, dass die Stiefel das Schneezeug mögen.
„Noch zwei Stunden...“ sagte Num neben mir. „Noch zwei Stunden , bis was passiert?“ fragte ich ihn. Er strahlte. „In zwei Stunden läuft Annabella wieder mit uns. Hat sie doch vorhin zu Winnie gesagt,“ erzählte er mir. Ich seufzte. Winnie... Das ist die beste Freundin von Annabella. Sie hat langes, hellbraunes Haar und ist auch eine Läuferin. Und ich bin total in den linken Sportschuh von Winnie verliebt. Num und ich sind männlich. Die Sportschuhe von Winnie sind weiblich. Und Winnies linker Sportschuh heißt Mimi. Total hübsch ist sie. Dunkelrot und schwarz (und natürlich die hellrote Anfärbung von der Laufbahn).
Num begann zu pfeifen. Die anderen Schuhe und ich stimmten mit ein. Wir pfiffen solange, bis jemand die Tür öffnete. Sofort beendeten wir unser Pfeifkonzert. Annabella blickte uns freudig an und hob Num und mich aus dem Regal. „Es sind bestimmt keine zwei Stunden um.“ sagte ich leise zu Num. Er nickte. Annabella sprühte uns mit Schuhspray ein und zog uns an. „Dass zwei Stunden so schnell vergehen können...“hörte ich Annabella murmeln. Freude stieg in mir auf. In wenigen Minuten konnte ich Mimi wieder sehen. Annabella legte einen hurtigen Gang ein und schon waren wir da.
Ich stand direkt vor Mimi. Annabella und Winnie hielten einen kleinen Plausch, dann jagten sie wie die Gazellen über die Laufbahn. Völlig außer Atem kamen wir eine Stunde später wieder Zuhause an. Winnie ging mit hinein. Sie redete auf Annabella ein. Was sie sagte , hörte ich nicht. Annabella kullerten ein paar Tränen über die Wangen. Annabellas Verlobter Toni kam herein und redete auch auf Annabella ein. Annabella hörte auf zu weinen. Winnie, Toni und Annabella (und Num und ich) verließen den Raum. Wir gingen in ein riesiges Haus (Num sagte, es hieße Shoppingcenter) und betraten ein langes Zimmer. Überall standen Regale, welche von oben bis unten mit Schuhen voll gestopft waren. Ich hatte keinen blassen Schimmer, was wir hier sollten. „Vielleicht braucht Toni neue Schuhe.“ flüsterte Num, schüttelte aber gleich danach den Kopf, als er Tonis blitzblanke, neue Schuhe sah.
Winnie nahm ein Paar Schuhe aus dem Regal. Annabella schüttelte den Kopf. Und so ging das dann die nächste halbe Stunde weiter: Winnie und Toni zogen abwechselnd Schuhe aus dem Regal und Annabella schüttelte dazu den Kopf.
Doch irgendwann nahm Annabella ein Paar lila Turnschuhe aus dem Regal und probierte sie an. Sie hüpfte darin auf und ab und strahlte übers ganze Gesicht. Toni bezahlte die Schuhe und Annabella zog Num und mich wieder an. Wir verließen das Shoppingcenter. Annabella ging auf eine Bank zu. Sie zog die lila Schuhe an und nahm uns in die Hand. Langsam, ganz langsam lief sie zu einem großen Kasten. Winnie folgte ihr. Über dem Kasten ließ Annabella uns fallen. Wir rutschten einen schwarzen Schacht hinunter. Ich hörte nur noch Mimi verzweifelt meinen Namen rufen, dann wurde um mich herum alles schwarz.
Als ich aus meiner Ohnmacht erwachte sah ich mich um. Neben mir lag Num und war putzmunter. Wir befanden uns in einem eckigen „Raum“ und lagen auf anderen Kleidungsstücken. Num und ich freundeten uns mit einer schwarzen Strickjacke an. Sie hieß Hanna und erklärte uns, dass wir in der Altkleidersammlung steckten und nach Afrika gebracht wurden. Und das stimmte auch. Tage später begann der Kasten ( Hanna sagt, er heißt Container) merkwürdig zu ruckeln und nach kurzer Zeit wurden wir in einen großen Karton zu anderer Kleidung umgefüllt. Tieftraurig dachten Num und ich an Annabella.
Nach Stunden der Langweile kamen wir an einem ziemlich warmen Ort an: Afrika.
Alle Sachen aus dem Karton wurden auf einem großen Tisch ausgebreitet. Es dauerte nicht lange, da kamen arme afrikanische Familien und nahmen sich vom Tisch was sie brauchten. Ein Mädchen, schätzungsweise 11 Jahre, nahm sich Num, mich und Hanna. Sie zog uns an und ging davon.
Wir wohnten schon Wochen bei Hortensia (so heißt das Mädchen), als das große Glück geschah: Hortensia wurde adoptiert. Und zwar von Annabella und Toni! Num und ich schrien vor Glück. Wir flogen mit einem Flugzeug nach Deutschland. Und es wurde alles wunderbar. Winnie zog bei Annabella und Toni ein und Mimi und ich hochzeiteten (oder heißt das heirateten?). Num schrieb auf ein Stück Pappe:
Es grüßen als glückliches Pärchen:
Mimi und Tum Monday!
Und nachdem du dies gelesen hast, merke: Bei einem Schuh ist vieles möglich.
Völlig ausgepowert kam ich vom Sport nach Hause. Ich war verschwitzt und leicht rot angefärbt von der Laufbahn, auf der Annabella mit mir gerannt war. Annabella Monday, so heißt meine Besitzerin. Sie ist 20 Jahre jung, hat langes, blondes Haar und läuft ziemlich gerne. Ich glaube so was nennt man Läuferin. Kann ich doch nicht wissen, schließlich bin ich ein Schuh. Ich heiße Tum, bin schon etwas älter und Annabella sagt, ich wäre Schuhgröße 39. Schuhe wachsen ja nicht. Sie werden in einer Größe angefertigt Und mich machte man aus Synthetik.
Ich bin weiß und ein wenig grau, meist auch noch einen Hauch rot, wegen der Laufbahn.
Aber ich liebe mein Leben als Schuh, auch wenn das ganze Laufen ziemlich anstrengend ist. Meinen besten Freund den rechten Schuh (ich bin der linke Schuh) Num ist ja auch immer da – ich bin niemals alleine. Der rechte Schuh und ich sehen völlig gleich aus und haben beide total Angst, dass Annabella aus uns heraus wächst oder uns wegwirft.
Annabella stellte uns in den kleinen, blauen Schuhschrank. Sie nickte uns zu, dann schloss sie die Tür. Sie trägt keine Hausschuhe. Das find ich gut, vielleicht würde sie die lieber haben als mich. Ich werde zu schnell eifersüchtig. Jeden Winter hasse ich und bin stinkwütend. Im Winter läuft Annabella nämlich nicht auf der Laufbahn. Da zieht sie lieber Stiefel an und kauft Weihnachtsgeschenke. Hat mir der eine Stiefel mal gesagt. Außerdem hasse ich den Winter, weil er so abscheulich kalt ist. Und überall liegt weißes Schneezeug rum. Igitt!
Komisch ist, dass die Stiefel das Schneezeug mögen.
„Noch zwei Stunden...“ sagte Num neben mir. „Noch zwei Stunden , bis was passiert?“ fragte ich ihn. Er strahlte. „In zwei Stunden läuft Annabella wieder mit uns. Hat sie doch vorhin zu Winnie gesagt,“ erzählte er mir. Ich seufzte. Winnie... Das ist die beste Freundin von Annabella. Sie hat langes, hellbraunes Haar und ist auch eine Läuferin. Und ich bin total in den linken Sportschuh von Winnie verliebt. Num und ich sind männlich. Die Sportschuhe von Winnie sind weiblich. Und Winnies linker Sportschuh heißt Mimi. Total hübsch ist sie. Dunkelrot und schwarz (und natürlich die hellrote Anfärbung von der Laufbahn).
Num begann zu pfeifen. Die anderen Schuhe und ich stimmten mit ein. Wir pfiffen solange, bis jemand die Tür öffnete. Sofort beendeten wir unser Pfeifkonzert. Annabella blickte uns freudig an und hob Num und mich aus dem Regal. „Es sind bestimmt keine zwei Stunden um.“ sagte ich leise zu Num. Er nickte. Annabella sprühte uns mit Schuhspray ein und zog uns an. „Dass zwei Stunden so schnell vergehen können...“hörte ich Annabella murmeln. Freude stieg in mir auf. In wenigen Minuten konnte ich Mimi wieder sehen. Annabella legte einen hurtigen Gang ein und schon waren wir da.
Ich stand direkt vor Mimi. Annabella und Winnie hielten einen kleinen Plausch, dann jagten sie wie die Gazellen über die Laufbahn. Völlig außer Atem kamen wir eine Stunde später wieder Zuhause an. Winnie ging mit hinein. Sie redete auf Annabella ein. Was sie sagte , hörte ich nicht. Annabella kullerten ein paar Tränen über die Wangen. Annabellas Verlobter Toni kam herein und redete auch auf Annabella ein. Annabella hörte auf zu weinen. Winnie, Toni und Annabella (und Num und ich) verließen den Raum. Wir gingen in ein riesiges Haus (Num sagte, es hieße Shoppingcenter) und betraten ein langes Zimmer. Überall standen Regale, welche von oben bis unten mit Schuhen voll gestopft waren. Ich hatte keinen blassen Schimmer, was wir hier sollten. „Vielleicht braucht Toni neue Schuhe.“ flüsterte Num, schüttelte aber gleich danach den Kopf, als er Tonis blitzblanke, neue Schuhe sah.
Winnie nahm ein Paar Schuhe aus dem Regal. Annabella schüttelte den Kopf. Und so ging das dann die nächste halbe Stunde weiter: Winnie und Toni zogen abwechselnd Schuhe aus dem Regal und Annabella schüttelte dazu den Kopf.
Doch irgendwann nahm Annabella ein Paar lila Turnschuhe aus dem Regal und probierte sie an. Sie hüpfte darin auf und ab und strahlte übers ganze Gesicht. Toni bezahlte die Schuhe und Annabella zog Num und mich wieder an. Wir verließen das Shoppingcenter. Annabella ging auf eine Bank zu. Sie zog die lila Schuhe an und nahm uns in die Hand. Langsam, ganz langsam lief sie zu einem großen Kasten. Winnie folgte ihr. Über dem Kasten ließ Annabella uns fallen. Wir rutschten einen schwarzen Schacht hinunter. Ich hörte nur noch Mimi verzweifelt meinen Namen rufen, dann wurde um mich herum alles schwarz.
Als ich aus meiner Ohnmacht erwachte sah ich mich um. Neben mir lag Num und war putzmunter. Wir befanden uns in einem eckigen „Raum“ und lagen auf anderen Kleidungsstücken. Num und ich freundeten uns mit einer schwarzen Strickjacke an. Sie hieß Hanna und erklärte uns, dass wir in der Altkleidersammlung steckten und nach Afrika gebracht wurden. Und das stimmte auch. Tage später begann der Kasten ( Hanna sagt, er heißt Container) merkwürdig zu ruckeln und nach kurzer Zeit wurden wir in einen großen Karton zu anderer Kleidung umgefüllt. Tieftraurig dachten Num und ich an Annabella.
Nach Stunden der Langweile kamen wir an einem ziemlich warmen Ort an: Afrika.
Alle Sachen aus dem Karton wurden auf einem großen Tisch ausgebreitet. Es dauerte nicht lange, da kamen arme afrikanische Familien und nahmen sich vom Tisch was sie brauchten. Ein Mädchen, schätzungsweise 11 Jahre, nahm sich Num, mich und Hanna. Sie zog uns an und ging davon.
Wir wohnten schon Wochen bei Hortensia (so heißt das Mädchen), als das große Glück geschah: Hortensia wurde adoptiert. Und zwar von Annabella und Toni! Num und ich schrien vor Glück. Wir flogen mit einem Flugzeug nach Deutschland. Und es wurde alles wunderbar. Winnie zog bei Annabella und Toni ein und Mimi und ich hochzeiteten (oder heißt das heirateten?). Num schrieb auf ein Stück Pappe:
Es grüßen als glückliches Pärchen:
Mimi und Tum Monday!
Und nachdem du dies gelesen hast, merke: Bei einem Schuh ist vieles möglich.
Verfasser: Paula Schmieding
16.10.2009 19:32
Hi,
Wie sie alle sehen können, bin ich ein Schuh – Ein Laufschuh um genau zu sein. Und wie sie auch sehen können habe ich in meinem kurzem Leben viel erlebt, sehr viel.
Als mein Besitzer mich gekauft hat, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal die Sandwege der Côte d'Azur oder die Straßen Norditaliens sehen würde. In New York war ich auch schon, eine aufregende Stadt. Alle anderen meiner Artgenossen dort haben es meistens mindestens genauso eilig wie ich. Aber gerade dort habe ich immer eine Ruhe, die ich sonst nirgendwo finde.
Denn normalerweise stehe ich nie still, ich bewege mich immer. Wenn ich die mir die Strecke angucke, die ich in meinem Leben schon zurückgelegt habe, es würde von hier bis nach Amerika reichen, aber dieser Weg wäre mir dann doch zu nass. Ich bevorzuge lieber Straßen, oder den Wald. Sand hingegen mag ich überhaupt nicht. Er macht mich nur kaputt, und dreckig.
Jedoch habe ich nie einen Sonnenaufgang gesehen. Viele Sonnenuntergänge, das gebe ich zu, und sehr viele dunkle Nächte. Aber im Endeffekt ist mir das auch lieber. Dort sind mein Besitzer und ich allein. Es gibt nur uns, den Wind und die Straße. Mehr brauche ich nicht um glücklich zu sein. Wenn ich mit schnellem Schritt durch die Nacht laufe, bin ich ganz in meinem Element, genau wie mein Besitzer.
Denn es geht uns auch nicht darum, schön auszusehen oder besonders beliebt zu sein, wollen wir auch nicht.
Also, wenn uns Laufschuhe glücklich machen wollt, tragt uns nicht, weil wir gerade “in” sind, oder weil wir zu eurem Outfit passen.
Geht mit uns laufen und zeigt uns die Welt. Nur das wollen wir, nicht mehr und nicht weniger.
Wie sie alle sehen können, bin ich ein Schuh – Ein Laufschuh um genau zu sein. Und wie sie auch sehen können habe ich in meinem kurzem Leben viel erlebt, sehr viel.
Als mein Besitzer mich gekauft hat, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal die Sandwege der Côte d'Azur oder die Straßen Norditaliens sehen würde. In New York war ich auch schon, eine aufregende Stadt. Alle anderen meiner Artgenossen dort haben es meistens mindestens genauso eilig wie ich. Aber gerade dort habe ich immer eine Ruhe, die ich sonst nirgendwo finde.
Denn normalerweise stehe ich nie still, ich bewege mich immer. Wenn ich die mir die Strecke angucke, die ich in meinem Leben schon zurückgelegt habe, es würde von hier bis nach Amerika reichen, aber dieser Weg wäre mir dann doch zu nass. Ich bevorzuge lieber Straßen, oder den Wald. Sand hingegen mag ich überhaupt nicht. Er macht mich nur kaputt, und dreckig.
Jedoch habe ich nie einen Sonnenaufgang gesehen. Viele Sonnenuntergänge, das gebe ich zu, und sehr viele dunkle Nächte. Aber im Endeffekt ist mir das auch lieber. Dort sind mein Besitzer und ich allein. Es gibt nur uns, den Wind und die Straße. Mehr brauche ich nicht um glücklich zu sein. Wenn ich mit schnellem Schritt durch die Nacht laufe, bin ich ganz in meinem Element, genau wie mein Besitzer.
Denn es geht uns auch nicht darum, schön auszusehen oder besonders beliebt zu sein, wollen wir auch nicht.
Also, wenn uns Laufschuhe glücklich machen wollt, tragt uns nicht, weil wir gerade “in” sind, oder weil wir zu eurem Outfit passen.
Geht mit uns laufen und zeigt uns die Welt. Nur das wollen wir, nicht mehr und nicht weniger.
Verfasser: Jason Vicari
22.09.2009 05:33
"Schuhtick" – wenn ich dieses Wort schon höre, stehen mir die Haare zu Berge. Meine beste Freundin hat so einen Tick – schrecklich! An keinem Schuhgeschäft kann sie vorbeigehen, immer wieder muss sie durch die Regale streifen, gucken, anfassen, anprobieren, und am liebsten gleich kaufen. Ich mag schon gar nicht mehr mit ihr einkaufen gehen, denn ich bin das genaue Gegenteil von ihr: Ich hasse Schuhgeschäfte, und ich hasse Schuhe.
Allein der Geruch nach Leder, Gummi und Staub, der einem bei Betreten eines solchen Fachgeschäftes in die Nase steigt, lässt meinen Magen sich zusammenziehen. Und wenn mich dann die aufgesetzt freundlichen, in Wirklichkeit gelangweilten, und dabei unangenehm aufdringlichen VerkäuferInnen, noch bevor ich überhaupt die Chance hatte mich umzusehen, mich schräg von der Seite fragen, ob sie mir denn helfen könnten, so kostet es mich eine Menge Überwindung ruhig zu bleiben. Ein gequältes "nein, ich sehe mich nur um" ist das höchste, was von mir dann noch zu erwarten ist. Doch nicht genug, dass mich die Atmosphäre im Laden schon von vorn herein missmutig stimmt, jetzt beginnt erst das wirkliche Problem: Die Schuhmode.
Es ist nicht zu glauben, was einigen so genannten Designern so einfällt, wenn sie am Entwerfen sind. "Wer bitte trägt so was?" Das frage ich mich jedes mal aufs Neue. (Um dann später in der Fußgängerzone festzustellen, es gibt tatsächlich Frauen, die das tragen, was ich nicht einmal den Mäusen im Keller als Schlafplatz zur Verfügung stellen würde.)
Mit dieser Vorgeschichte stelle man sich nun vor, mein Lieblingspaar ("Lieblings" vor allem, weil es das einzige war) war nach jahrelangem täglichen Tragen durchgelaufen, die Sohle pellte sich ab, die Farbe war verblasst, die weißen Schuhbänder waren ergraut und überhaupt waren die Schuhe einfach nicht mehr tragbar. Was dann? Neue mussten her, aber mit meiner Schuhantipathie? Das war kein Zuckerschlecken.
Mit der Demotivation ins Gesicht geschrieben ließ ich mich von meiner Freundin durch die Schuhgeschäfte der halben Stadt schleifen; wie man sich denken kann, ohne Erfolg. Die Laune sank von Minute zu Minute, und das an drei aufeinander folgenden Wochenenden. Die rettende Idee kam dann eines Abends, als ich schimpfend auf dem Sofa saß und mich noch über die Tatsache aufregte, dass das alte Paar nicht mehr zu gebrauchen war.
"Wir suchen jetzt im Internet", schlug meine Freundin vor. Ein toller Einfall. Ganz entspannt klickte ich mich durch das Versandhausangebot. Die Schuhe wurden davon nicht schöner, bei Weitem nicht, aber der Druck war nicht mehr so hoch. Ich wurde nicht beobachtet, meine Freundin musste sich nicht für das unmotivierte, rüpelhaft schimpfende Mädchen schämen, dass schlecht gelaunt hinter ihr her schlurfte, und ich fühlte mich nicht mehr belästigt durch herumstreunende Verkäufer. Das beste aber war: Das Versandhaus strömte nicht diesen widerlichen Schuhgeruch aus, es roch einfach so nach meiner eigenen Wohnung.
Und tatsächlich: Unter diesen entspannten Umständen schaffte ich es, nicht nur ein, sondern gleich zwei Paar Schuhe zu finden, die mir von der Optik her tragbar erschienen. Eines in schwarz und eines in braun. Das hatte nicht nur den Vorteil, dass ich meine Schuhe farblich mit meinem Outfit abstimmen konnte, sondern auch, dass die Schuhe vermutlich doppelt so lange halten würden, weil sie nur halb so oft getragen wurden. Demnach würde sich der nächste Schuhkauf um mindestens ein bis zwei Jahre hinauszögern.
Ich war glücklich.
Allein der Geruch nach Leder, Gummi und Staub, der einem bei Betreten eines solchen Fachgeschäftes in die Nase steigt, lässt meinen Magen sich zusammenziehen. Und wenn mich dann die aufgesetzt freundlichen, in Wirklichkeit gelangweilten, und dabei unangenehm aufdringlichen VerkäuferInnen, noch bevor ich überhaupt die Chance hatte mich umzusehen, mich schräg von der Seite fragen, ob sie mir denn helfen könnten, so kostet es mich eine Menge Überwindung ruhig zu bleiben. Ein gequältes "nein, ich sehe mich nur um" ist das höchste, was von mir dann noch zu erwarten ist. Doch nicht genug, dass mich die Atmosphäre im Laden schon von vorn herein missmutig stimmt, jetzt beginnt erst das wirkliche Problem: Die Schuhmode.
Es ist nicht zu glauben, was einigen so genannten Designern so einfällt, wenn sie am Entwerfen sind. "Wer bitte trägt so was?" Das frage ich mich jedes mal aufs Neue. (Um dann später in der Fußgängerzone festzustellen, es gibt tatsächlich Frauen, die das tragen, was ich nicht einmal den Mäusen im Keller als Schlafplatz zur Verfügung stellen würde.)
Mit dieser Vorgeschichte stelle man sich nun vor, mein Lieblingspaar ("Lieblings" vor allem, weil es das einzige war) war nach jahrelangem täglichen Tragen durchgelaufen, die Sohle pellte sich ab, die Farbe war verblasst, die weißen Schuhbänder waren ergraut und überhaupt waren die Schuhe einfach nicht mehr tragbar. Was dann? Neue mussten her, aber mit meiner Schuhantipathie? Das war kein Zuckerschlecken.
Mit der Demotivation ins Gesicht geschrieben ließ ich mich von meiner Freundin durch die Schuhgeschäfte der halben Stadt schleifen; wie man sich denken kann, ohne Erfolg. Die Laune sank von Minute zu Minute, und das an drei aufeinander folgenden Wochenenden. Die rettende Idee kam dann eines Abends, als ich schimpfend auf dem Sofa saß und mich noch über die Tatsache aufregte, dass das alte Paar nicht mehr zu gebrauchen war.
"Wir suchen jetzt im Internet", schlug meine Freundin vor. Ein toller Einfall. Ganz entspannt klickte ich mich durch das Versandhausangebot. Die Schuhe wurden davon nicht schöner, bei Weitem nicht, aber der Druck war nicht mehr so hoch. Ich wurde nicht beobachtet, meine Freundin musste sich nicht für das unmotivierte, rüpelhaft schimpfende Mädchen schämen, dass schlecht gelaunt hinter ihr her schlurfte, und ich fühlte mich nicht mehr belästigt durch herumstreunende Verkäufer. Das beste aber war: Das Versandhaus strömte nicht diesen widerlichen Schuhgeruch aus, es roch einfach so nach meiner eigenen Wohnung.
Und tatsächlich: Unter diesen entspannten Umständen schaffte ich es, nicht nur ein, sondern gleich zwei Paar Schuhe zu finden, die mir von der Optik her tragbar erschienen. Eines in schwarz und eines in braun. Das hatte nicht nur den Vorteil, dass ich meine Schuhe farblich mit meinem Outfit abstimmen konnte, sondern auch, dass die Schuhe vermutlich doppelt so lange halten würden, weil sie nur halb so oft getragen wurden. Demnach würde sich der nächste Schuhkauf um mindestens ein bis zwei Jahre hinauszögern.
Ich war glücklich.
Verfasser: Nidoka
15.09.2009 07:11

