Welche Geschichte erzählen Ihre Schuhe?

Berichten Ihre Schuhe von lustigen oder spannenden Erlebnissen, von traurigen oder  romantischen Momenten? Spielten sie eine tragende Rolle in einschneidenden Lebenssituationen? Und existieren diese Schuhe noch als Erinnerungsstücke obwohl sie nicht mehr passen oder längst nicht mehr getragen werden?

Dann ist hier die Gelegenheit diese Schuhgeschichte mit anderen zu teilen!

Einfach Formular ausfüllen, Text einstellen und Foto hochladen! Teilnehmen lohnt sich, denn diese Geschichten können gevotet werden. Die zehn schönsten Gesichten werden dann mit den Schuhen selbst in der Sonderausstellung „schuhtick" vom 6. Dezember 2008 bis zum 5. Juli 2009 im LWL-Museum für Archäologie ausgestellt. 

Viel Spaß beim Teilnehmen, Lesen und Voten!

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Zu dieser Geschichte gibt es zwar keinen bestimmten Schuh, den man fotografieren könnte, denn sie geht zurück auf meine Kindheit vor über 60 Jahren, als nach dem Krieg Schuhe totale Mangelware waren und auch wir Kinder sie „bis zum geht-nicht-mehr“ auftragen mussten, aber solche Schuhe waren es, die in meinem abenteuerlichen Dasein schließlich im fernen Neu Guinea ein außergewöhnliches Liebeserlebnis auslösten, das mich mein ganzes weiteres Leben begleitet hat.
Jene immer enger werdenden Nachkriegs-Schuhe, wenn sie etwas länger hielten, drückten nämlich die Zehen der schnell wachsenden Kinderfüße so sehr zusammen, dass diese nach einigen Jahren ihre normale Form verloren, was schließlich in meinem Fall zu folgendem völlig unerwarteten Ergebnis führte:

Als ich im Anschluss an mein Sprachstudium nach Amerika ging und auf Hawaii schnell viel Geld verdient hatte, wollte ich meinen Kindheitstraum von einer Reise um die Welt in die Tat umsetzen und kam dabei im Jahre 1969 von Australien aus auch nach Neu Guinea, wo ich in dem seinerzeit noch sehr schönen Städtchen Madang ein Ehepaar kennen lernte, das mir ein interessantes Angebot unterbreitete: da sie gerade die Scheidung eingereicht hatten und die britische Ehefrau für zwei Monate zurück in ihre Heimat gehen wollte, bat sie mich, in ihrem total idyllisch an einer Bucht gelegenen Häuschen ihre Familie mit drei Kindern und diversen Haustieren zu betreuen und mich um das einheimische Hauspersonal, d.h. ein Gärtner, ein Koch und eine Nanny, zu kümmern. Letzteres gab mir so viel Freizeit, dass mich der australische Ehemann, ein schmucker Flugkapitän der Trans Australien Airlines, sogleich als Flugbegleiterin einsetzte und auf seine zahlreichen faszinierenden Hochland- und Inselflüge mitnahm.
Es dauerte gar nicht lange, da war ich bis über beide Ohren in den Piloten verliebt, als die Nachricht aus England hereinplatzte, das sich die noch-Ehefrau nach ihrer Rückkehr die Scheidung noch einmal überlegen wollte, was für mich das Ende der tropischen Romanze bedeutete.

Und damit komme ich auf die Nachkriegsschuhe bzw. meine verbogenen Zehen zurück. Als mir Donald nämlich zum Abschied versicherte, was für eine wunderbare Haushälterin, Flugbegleiterin und kurzfristige Lebenspartnerin ich gewesen sei und dass er nur Positives an mir
finden könne, fügte er unvermittelt hinzu: „mit einer Ausnahme“........
„Du lieber Himmel“, dachte ich erschrocken und fiel aus allen Wolken. „Was kann es denn so Schlimmes an mir geben?“
„Ja“, sagte er dann noch sehr ernst und doch auch ziemlich verschmitzt. „Deine Zehen“!
„Meine Zehen?“..............
„Ja, die sind wirklich sehr hässlich.“
„Aber da kann ich doch gar nichts dafür! Da sind doch die Nachkriegsschuhe dran Schuld! Und warum sagst Du mir denn so etwas Liebloses ausgerechnet beim Abschiednehmen?“
„Damit Du mich nie mehr vergisst und fortan jeden Tag Deines Lebens an mich denkst, denn Deine Zehen siehst Du jeden Tag beim Anziehen oder Waschen - und das hat Dir bestimmt noch niemand gesagt. Aus Liebe, wie Du jetzt erkennst. Über die Kontinente hinweg möchte ich wenigstens in der Erinnerung ständig bei Dir bleiben, was auch geschehen mag.“
Genau so ist es gekommen!
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P.S. Wir hatten uns zwar noch einmal in New York wiedergesehen, nachdem Don schließlich doch geschieden war, aber unsere Glut war leider auch erloschen. Geblieben ist die Nostalgie zweier traumhaft schöner Monate im fernen Neu Guinea und die tägliche Erinnerung an meinen schmucken Captain Don.
Wegen der Nachkriegsschuhe!
Verfasser: Gerlinde B.
17.07.2010 07:06
Bewertung: 2.8/5 (4 Stimmen)
Es war das Jahr 1958, als ich in eine Internats-/ Haushaltungsschule in die Südpfalz kam. Im Jahr zuvor hatte unsere Familie Urlaub in Dänemark gemacht - und dort waren mir die später berühmten "Kläpper" aufgefallen, jene mit Flussbett und einem Lederriemen versehenen Holzkläpper.

Ich erstand sie und wollte auch gleich damit laufen. Das ging nicht sogleich. Also übte ich das Gehen heimlich auf dem Dachboden, wo jede Schülerin ein Schuhfach hatte. Dann erst wagte ich mich, natürlich während der Freizeit, unter das Volk.

Und es brach die "Revolution" aus: die Diakonissen, die uns "Mäd" das Kochen, Waschen, Bügeln und Putzen beibrachten, hatten kein Verständnis für "diese modischen Ferz". Von Stürzen, Fußbrechen und Ähnlichem war die Rede.

Ich glaube, die "Obrigkeite"" mussten sich in den kommenden Jahren an das Klappern mit den Kläppern gewöhnen.
Verfasser: Ingeborg J.
15.07.2010 09:35
Bewertung: 2.8/5 (12 Stimmen)
Meine Tanzschuhe

Anfang der 60er Jahre, zu Zeiten des Rock ’n Roll, als ich in die Mittelstufe ging, wurden Schuhe modern, die sich von der bisher üblichen soliden Ware stark unterschieden. Es waren Slipper aus feinem Leder mit dünnen Sohlen, die sich, ähnlich unseren heutigen Turnschläppchen, an Fersen und Zehen nach oben bogen, wenn sie im Karton lagen. Solche Schuhe waren mein Traum, und nach langen Diskussionen hatte ich meine Mutter beschwatzt und bekam meinen Traum erfüllt. Ich sehe die Schuhe heute noch vor mir: weiches schwarzes Leder mit einer großen schwarzen Schleife mit weißen Punkten als Verzierung. Ich war so stolz und zeigte meine Schätze jedem, ob er sie sehen wollte, oder nicht.
Mein Opa, der sich weder für Rock ’n Roll noch für Mode interessierte, hatte einen Hund mit Namen Rolf. Als ich ihn mit meiner Mutter das nächste Mal besuchte, trug ich natürlich meine neuen Schuhe. „Guck mal, Opa, die Mama hat mir Rock ’n Roll-Schuhe gekauft!“ Aber statt der von mir erwarteten Bewunderung fiel ein vernichtender Blick auf meine Mutter. „Leni, wie kannst Du dem Kind denn solche ROLF-ROCK-SCHUHE kaufen. Die sind ja völlig ungesund!“
Ich hatte noch viel Spaß beim Rock ’n Roll-Tanzen mit meinen Rolf-Rock-Schuhen, von denen leider kein Foto existiert.
Verfasser: Doris S.
07.07.2010 13:22
Bewertung: 2.9/5 (7 Stimmen)
Der Schuh im Schaufenster

Es war ein guter Tag und ich hatte Grund mich zu belohnen.
So kaufte ich mir „mein besonderes Teil von Anja Gockel“, ein langer hellblauer Jeansrock mit raffiniertem Reißverschluß rosa-flieder eingefärbt.
Doch welche Schuhe sollte ich dazu tragen?
In meinem Schuhschrank fanden sich keine passenden, also ging ich in die Stadt und durchkämmte alle mir bekannten und auch bis dato unbekannten Schuhgeschäfte auf der Suche nach Schuhen, die ich zum Rock tragen konnte und wollte.
Es war zum Verzweifeln! Entweder die Farbe passte nicht oder die Schuhe passten nicht oder der Preis wollte so gar nicht passen. Meine Laune fiel von Geschäft zu Geschäft, doch ich gab nicht auf.
... und da sah ich ihn! In meiner Größe, Preis akzeptabel, die Farbe passend und auch der Schuh passte an meinen rechten Fuß. Die Verkäuferin holte mir den linken Schuh.
Doch ... was war das? Der linke Schuh und der rechte Schuh hatten unterschiedliche Farbtöne. Die Verkäuferin lief ins Lager auf der Suche nach einem weiteren Paar der gleichen Schuhe, kam aber mit enttäuschtem Gesicht zurück und erklärte mir, der linke Schuh habe seit einiger Zeit im Schaufenster gestanden und habe in der Sonne leicht seine Farbe verändert. Wenn ich nun den rechten Schuh zu Hause ins Fenster stellen würde, würde sich die Farbe der beiden Schuhe wieder angleichen. Ein merkwürdiges Ansinnen, aber auch nicht unlogisch.
Was sollte ich tun? Alle Schuhgeschäfte in Mainz waren „abgegrast“, dieser hier der einzige, der in jeder Hinsicht passte. So handelte ich den Preis noch etwas herunter, dafür, dass ich die Schuhe und damit auch den neu erstandenen Rock noch nicht sofort tragen konnte, sondern warten musste bis die Farben angeglichen waren, was laut der Verkäuferin etwa zwei Wochen dauern konnte.
So stand der linke Schuh in meinem Küchenfenster zwischen Basilikum und Petersilie.
Am darauf folgenden Wochenende besuchte mein inzwischen Ehemann mich das erste Mal in meiner Wohnung. Verständlicherweise war ich nicht wenig aufgeregt.
Er brachte mir wunderbare Blumen mit, trat ein und in der Küche fiel sein Blick auf den einzelnen Schuh mitten im Sommer auf meiner Fensterbank. Ich werde diesen Blick nie vergessen, den er mit den Worten begleitete: „Ja ist denn schon Nikolaus?“. Wie man sieht haben beide Schuhe nun die gleiche Farbe und unsere Liebesgeschichte hat auch ein Happy End.
Verfasser: Stefanie W.
01.07.2010 12:31
Bewertung: 2.9/5 (22 Stimmen)
Mutters Geburtstag

Ich, Till von Eckart, leicht blaublütig und sehr nervös, zupfte an meiner Armbanduhr. Schon viertel nach zehn. Das würde mächtigen Ärger geben. Meine Mutter hatte Geburtstag und mich und meine Freundin Annabell zum Brunch eingeladen – Punkt Zehn!
Wenn es um Pünktlichkeit ging, war sie wenig tolerant. Doch das war leider noch nicht alles. Ich hatte ihr Geschenk in der Wohnung meiner Freundin liegen lassen und auch die Socken vergessen. Meine nackten Knöchel schimmerten weiß über den braunen, ausgetretenen Turnschuhen.
Ich fürchtete mich immer noch vor dem strengen Blick meiner Mutter, obwohl ich mittlerweile längst erwachsen war und in meiner eigenen Wohnung lebte.
Heute morgen hatten Annabell und ich wieder einmal schrecklich gestritten – über Nichtigkeiten, aber meine Freundin sah das offensichtlich anders. Ich hatte aufgegeben, ihre Launen verstehen zu wollen – auch die meiner Mutter hatte ich nie verstanden.
Als ich mit quietschenden Reifen in die Auffahrt meines Elternhauses fuhr, sah ich Mutter schon an der Tür stehen. Ihr Gesichtsausdruck verhieß nichts Gutes. Ich sprang aus dem Wagen und eilte ihr entgegen. Noch bevor ich sie in den Arm nehmen konnte, um ihr zu gratulieren, fiel ihr Blick auf meine braunen Treter. Missbilligend zog sie eine Augenbraue hoch. Ich ahnte bereits, was jetzt kommen würde. Eine ihrer endlosen Tiraden über mein verlottertes Studentenleben, meine mangelnde Gesellschaftsfähigkeit – und und und ...
Dabei wusste sie nicht einmal, dass ich kein Geschenk für sie dabei hatte und auch Annabell nicht mitgekommen war. Ihr das alles zu erklären, würde wenig Sinn machen.
Ich betrachtete meine nackten Knöchel, die aus den braunen Schuhen herausragten und verspürte plötzlich nicht im mindesten Lust, meiner Mutter oder auch Annabell noch irgend etwas näher zu erklären. Ich war ein freier Mann und konnte ohne schlechtes Gewissen meine Lieblingsschuhe tragen, mit oder ohne Socken. Es wunderte mich, dass ich diese schlichte Erkenntnis nicht schon früher entwickelt hatte.
Ich drückte meiner Mutter einen flüchtigen Kuss auf die Wange, drehte mich wortlos um und stieg in meinen Wagen. Andächtig betrachtete ich meine braunen Lieblingsschuhe, seither für mich das Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit. Dann gab ich Gas und fuhr davon, ohne auch nur einen einzigen Blick in den Rückspiegel zu werfen. Mutter und Annabell würden sich noch wundern.
Verfasser: Birgitt B.
01.07.2010 12:26
Bewertung: 2.7/5 (28 Stimmen)
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